Künstliche Intelligenz und MES
Auf dem Weg in die 5. industrielle Revolution
Die Einbindung von künstlicher Intelligenz auf Werksebene bietet enorme Optimierungs- und Produktionssteigerungspotentiale - obwohl die wirtschaftliche Nutzung erst seit kurzem möglich und noch gar nicht alle Anwendungsfelder greifbar sind. Doch um den Blick auf die Zukunft der Produktion zu schärfen, müssen die Vergangenheit und technologische Innovationen verstanden sein.

Sensordaten gewinnen an Bedeutung

Im Produktionsalltag kann das beispielsweise bedeuten, dass der Ausfall einer Maschine nicht mehr nur umgehend gemeldet wird, sodass der Planer schnell reagieren kann. Vielmehr kann nun prognostiziert werden, wann mit einem Maschinenausfall zu rechnen ist und welches Verschleißteil daher zeitnah instandgesetzt oder ausgetauscht werden sollte. Die hierfür zuständigen Sensoren melden also nicht mehr singuläre Ereignisse, sondern setzen ihre Daten direkt in Zusammenhang mit anderen relevanten Daten und erkennen so den Kausalzusammenhang. Das KI-basierte System kann daher frühzeitig und eigenständig Abweichungen erkennen, einordnen und – wenn notwendig – Maßnahmen ergreifen. Dieses Konzept heißt im Fachjargon zumeist Predictive Maintenance. Eine solch intelligente Steuerung kann unter anderem in der Personaleinsatzplanung eingesetzt werden. Denn wenn das KI-unterstützte Produktionsmanagement neue oder geänderte Aufträge, eine Maschinenstörung oder andere ungeplante Situationen erkennt, kann – je nach Umfang und Auswirkung der Situation – die Schicht- und Einsatzplanung angepasst werden. Auf Grundlage der erfassten Daten und der kybernetischen Feedbackschleifen kann analysiert werden, wie sich der Personalbedarf verändert. Eine neu erstellte Produktionsplanung legt fest, wann welcher Mitarbeiter und welche Fachkraft an welcher Maschine sein muss und mit welcher Gesamtplanung die Produktions- und Liefertermine am ehesten eingehalten werden können. Das System plant Maschinenumrüstungen, Materialflüsse und weitere produktionsrelevante Aufgaben und schlägt die Alternativplanung vor – oder setzt diese direkt um. Zeitgleich fließen die neue Planungsinformationen ins ERP-System, sodass gegebenenfalls Kunden über eine verspätete Lieferung informiert werden können.

Die fünfte industrielle Revolution

Diese tiefgreifenden Veränderungen der betrieblichen Abläufe illustrieren, warum der Einzug der künstlichen Intelligenz in die Fertigung eine große Innovation, möglicherweise sogar eine fünfte industrielle Revolution darstellt: Nachdem bisher die meisten technologischen Innovationen zur Unterstützung und Entlastung des Menschen dienten, kann eine KI-basierte Fertigung Prozesse autonom kontrollieren und steuern. Die Technologie ist also nicht mehr nur Partner, sondern eigenständiger Akteur. An dieser Stelle werfen häufiger Kritiker ein, dass so Menschen aus der Arbeitswelt verdrängt werden und dadurch Massenarbeitslosigkeit entstehe. Doch einerseits wird der Facharbeiter für das Einrichten und Trainieren von KI-basierten IT-Lösungen benötigt. Denn selbst wenn die künstliche Intelligenz gewisse Aufgaben effektiver bearbeiten kann als Menschen, weiß sie keine Produktionsziele zu definieren und nicht die passenden Qualitätsstandards einzuhalten. Auch fehlt ihr die Kreativität, um an neuen Einsatzgebieten oder gar ganzen Produktentwicklungen zu arbeiten. Andererseits erfordert die Digitalisierung eine Vielzahl an gut ausgebildeten Fachkräften – unzählige Stellen müssen geschaffen und adäquat besetzt werden. Und gerade in Wissenschaft und Forschung werden immer Menschen benötigt, um die Welt der Innovationen zu organisieren, zu bewerten und zu testen.

Innovativer Wegbereiter

Die Vision des Industrial Internet of Things sieht die Vernetzung aller Anlagen, Maschinen, Transportmittel, Leitstände, Prozesse und so weiter vor. Aus dieser Echtzeitkommunikation der Teilnehmer untereinander resultiert eine Datenmenge, die eine ideale Grundlage für KI-gesteuerte Manufacturing Execution Systems darstellt. Denn mit Hilfe der richtigen Algorithmen kann eine sehr tiefgehende Produktions- und Prozessanalyse getätigt werden. Die so offengelegten Optimierungspotentiale bei der Produktivitätssteigerung werden von vielen Experten auf rund 20 Prozent geschätzt. Doch wie groß diese Prozentzahl im Einzelnen auch sein mag, die nachhaltige Steigerung der Wirtschaftlichkeit mit Hilfe eines professionellen MES-Tools und bedarfsgerechten KI-Lösungen ist regelmäßig möglich.

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